Wussten Sie eigentlich schon, dass man in Pegnitzer CSU-Kreisen gar heftig den Kopf schüttelt über die schwarzen Kollegen in Bayreuth? Nee? Ist aber so. Das Gebaren der Ex-OB-Hohl-Fangemeinde und deren Tränendrüsenspektakel inklusive einer netten kleinen Treibjagd gegen die ach so bösen Königsmörder vom Kurier versteht hier keiner. „Die sind doch selbst schuld“, sagen die Christsozialen im Süden. Nicht immer öffentlich und lauthals, aber dafür um so deutlicher im kleinen Kreis.
Sie haben’s aber auch echt nicht leicht im Moment, diese Bayreuther. Mitten in den Chefsesselwechsel im Rathausturm platzt eine Katastrophe nach der anderen. Wahnfried, Stadthalle, Kongresszentrum, Korruption bei Auftragsvergaben an Parteifreunde, die zufälligerweise als Architekt arbeiten – nix klappt, nix geht so richtig voran. Und manchmal soll sogar für ideologisch festzementierte CSUler der Kurier ganz unschuldig sein an der Misere.
Hier in Pegnitz lächelt man über solche Geschehnisse. Hier hat nämlich alles seine Ordnung. Und dazu gehört die Kirche. Und der kirchliche Segen, wenn mal wieder ein Großprojekt unseres Bürgermeisters eingeweiht wird. Tschuldigung, des Stadtrats natürlich. Denn der entscheidet ja. Also offiziell zumindest. Denn Ordnung muss sein, wie gesagt. Und so erhielt denn auch unsere neue Sport- und Kulturhalle am Wiesweiher in diesen Tagen ihren Segen. Ökumenisch, klar. Auch dies ist Bestandteil der Pegnitzer Ordnungsstruktur. Und das ist gut so. Zumal dieser Segen oft alles andere als ein rein formaler Akt ist. Da fallen schon auch Worte mit Gewicht.
So verwies Dekan Gerhard Schoenauer mit Blick auf die überaus bunte Gestaltung des Halleninneren auf ein brandaktuelles Thema: Die Gründung der Initiative „Pegnitz ist bunt“ gegen rechte Umtriebe. So bunt wie die Wände, Decken und Böden dieses Gebäudes sei auch die Gesellschaft der Stadt, sagte Schoenauer. Bevor es zu ernst wurde, bekundete der begeisterte Hobbyfußballer noch, es jucke ihn schon gewaltig in den Beinen, jetzt gegen den Ball zu treten. Und schlug vor, die Halle aus sportlicher Sicht mit einer Partie „Kirche gegen Stadtrat“ einzuweihen.
Was, noch eine Einweihung? Aber selbstverständlich doch: Hier ging es ja „nur“ um den Segen vor der ersten Nutzung. Die eigentliche Einweihung folgt noch, erklärte Bürgermeister Thümmler dem Kurier auf Nachfrage. Das mache man gemeinsam mit der Feierstunde für den neu gestalteten Wiesweiher-Park.
Denn der sei ja rein einweihungstechnisch gesehen noch völlig unbeleckt. Hmmmm. Vielleicht sollte man mal drüber nachdenken, dass weniger oft mehr ist. Und dass man das nicht übertreiben sollte mit dem Einweihen. Weil dann nämlich der Eindruck entstehen könnte, es gehe weniger um Weihen und Segnen als um ein Schaulaufen für die Kommunalpolitik. Weil die in die Zeitung will.
Und das wäre dann nicht in Ordnung…
Fr 4 Mai 2012
Weihe I, Weihe II, Weihe III…
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Mo 16 Apr 2012
Von Piraten, Bürgern und anderen Zeitgenossen
Posted by sbrand under Allgemein
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Da gibt es doch tatsächlich Leute, die wundern sich über die Magnetwirkung der Piratenpartei. Jetzt lassen wir mal völlig beiseite, wie viel Kompetenz, perspektivisches Denken und politische Grundfertigkeiten die Vertreter dieses Emporkömmlings zu bieten haben. Fakt ist doch: Die Menschen in diesem Land wollen mehr Transparenz und weniger Mauschelei im so gerne zitierten stillen Kämmerchen. Sie wollen neue Gesichter und keine Talkshow-Stammgast-Dampfplauderer. Sie wollen Visionen. Und, ganz wichtig: Sie wollen mitreden. Warum? Ganz einfach. Sie fühlen sich von der Politikerkaste, die von immer weniger Stimmberechtigten ihn die diversen Mandate gehievt wird, nur noch bedingt vertreten. Oder gar nicht. Und da kamen die Piraten gerade zur rechten Zeit, um diese Nische der Enttäuschung, der Systemfrustration zu besetzen.
Die Bürger gehen wieder auf die Straße. Fast so wie zu Anti-Pershing-Zeiten. Stuttgart 21 zeigte, was da möglich ist. Und der Protest muss nicht immer erfolgreich sein, um nachhaltig zu wirken.
Was er aber oft genug ist. Die mit gesundem Menschenverstand nur schwer nachvollziehbaren Pläne zur Warenanlieferung für das neue Pegnitzer Fachmarktzentrum über die Alte Poststraße sind das beste Beispiel. Die Anwohner liefen Sturm. In kürzester Zeit war eine Unterschriftenliste mit mehr als 100 Namen bestückt. Die Initiatoren forderten eine Bürgerversammlung zu diesem Thema.
Rathausregent Manfred Thümmler ließ sich nicht lange bitten und beraumte wenig später eine solche an. Und die Investoren des künftigen Einkaufsparadieses, das der innerstädtische Einzelhandel als weiteren Dolchstoß gegen seine Existenz brandmarkt, sahen sich genötigt, neue Planspiele zu spielen. Nach Informationen dieser Zeitung geht jetzt wohl doch, was an sich von Anfang an hätte gehen müssen: Der gesamte Brummiverkehr soll über die B 2 auf das Areal des Einkaufszentrums führen. Warum nicht gleich so? Nun, bei der Bürgerversammlung zu diesem Thema gab es keine echten Antworten. Eher herrschte Erklärungsnotstand. Wer Schwerlastverkehr durch eine Straße leiten will, die eher eine Gasse ist, muss halt schon mit der Frage leben, ob er sein Planungshandwerk wirklich versteht. Am Ende des exorbitant gut besuchten Treffens war nicht nur der Lieferverkehr vom Tisch – sondern Bürgermeister Thümmler sicherte sogar zu, sich mit Tempo 30 in dieser Straße anfreunden zu können.
Es lohnt sich also, nicht alles zu schlucken, was einem da als Bürger so vorgesetzt wird von „denen da oben“. Wobei der gemeine Gut- und/oder Wutbürger natürlich auch nicht immer recht hat, bloß weil er den Mund aufmacht. Auf dem Land zu wohnen, heißt nicht automatisch, in einer Oase der immerwährenden Stille beheimatet zu sein. Das Motorengeräusch von einem halben Dutzend Laster am Tag vernichtet nicht gleich jegliche Lebens- und Wohlfühlqualität. In der Alten Poststraße haben sie jedoch wirklich nichts verloren. Ganz unabhängig vom Lärmpegel.
Und wenn manche City-Händler jetzt wieder Totengräberstimmung zelebrieren: Die meisten kochen weiter ihr seit Jahrzehnten vor sich hinblubberndes Süppchen, statt mit kreativen Werbestrategien, Nischenprodukten oder publikumswirksamen Aktionen zu glänzen. Dabei gibt es sie doch, diese Ausnahmen, die sich Woche für Woche für ihren Laden mit immer neuen Ideen ins Zeug legen. Wer die Vorbilder vor der eigenen Geschäftstür ignoriert, darf sich nicht wundern, wenn die Kunden ausbleiben.
A weng a Konzept müsste da halt her. Wäre doch ein gefundenes Fressen für Pegnitzer Piraten, um hier Fuß fassen – und Kompetenz zu zeigen!
Fr 17 Feb 2012
Wulff, die Griechen & Co.
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Es ist irgendwie beängstigend. Da tritt der Bundespräsident zurück, nachdem ihm die Staatsanwaltschaft in Hannover die Pistole auf die schmale Brust gesetzt hat. Ein ganz natürlicher Schritt, der – ebenso natürlich – längst überfällig war. Nein, jetzt bitte keine Diskussion über häppchenweisen Enthüllungsjournalismus. Nein, jetzt bitte keine Diskussion darüber, ob der Audi für Frau Wulff vor der Serienfertigung ein unzulässiger Gunstbeweis war oder nicht. Bitte auch keine Diskussion darüber, ob Politiker und Journalisten ihre Geben-und-Nehmen-Mentalität zu lange ausgelebt haben. Nicht, dass all dies nicht diskussionswürdig wäre. Ist es, ganz klar. Viel wichtiger ist jedoch für mich im Moment die erschreckende Selbstverständlichkeit, mit der in diversen Internet-Foren von anonymen Nickname-Usern wie auch in vielen Umfragen der Printszene mit Gesicht und Name die böse, böse Presse für Wulffs Scheitern verantwortlich gemacht wird. Medienkampagne heißt der stilvollere, Hetzkampagne der populistische Begriff, der da eifernd wieder und wieder in die Tastatur gedroschen oder ins Mikrofon gebellt wird.
Hallo?! Herr Wulff wurde nicht von “Bild” & Co demontiert, Wulff hat sich selbst sehenden Auges in die Schusslinie begeben. Und damit aufs Abstellgleis. Weil er – wie sein Ich-bin-eigentlich-völlig-unschuldig-Mitstreiter Karl Theodor von und zu G. – den Ausweg in der Ausrede suchte. Statt zuzugeben, hier und da habe man Mist gebaut, dies und das sei blöd gelaufen, man sei einsichtig, gelobe Besserung und entschuldige sich ganz doll bei den Bürgerinnen und Bürgern. Unabhängig davon, wie überzeugend das rübergekommen wäre – die viel zitierten Leute auf der Straße hätten es wohl geschluckt, akzeptiert, toleriert. Die meisten zumindest.
Aber nein, Herr Wulff wollte ja unbedingt die nächste Aufdeckungsstory aussitzen. Da ein Auto, dort ein Handy, hier eine Hotelrechnung. Für sich betrachtet vielleicht jeweils Kleinkram, in summa jedoch ein Mosaik von Unregelmäßigkeiten, die unter dem Strich den Hauch des Unanständigen verbreiten. In einem Ausmaß, das dieses Amtes nicht würdig ist. Eine Kampagne? Selbst wenn man dies weniger seriösen Kollegen – ja, die gibt es unserer Branche wie in jeder anderen auch – attestieren mag: Herr Wullf stolperte nicht über eine solche, sondern über seine ganz persönlichen Unzulänglichkeiten.
Und ja, ich finde es beängstigend, wie viele Menschen in diesem Land die Schuld für Wulffs unfreiwilliges “Tschüss” nicht bei ihm, sondern bei Dritten suchen. Der Stammtisch-Populismus feiert nicht nur bei diesem Thema zurzeit wieder fröhliche Urständ. In der Angst ums Euro-bestückte Sparbüchle neigt eine besorgniserregend laute Volksstimme dazu, neben den bösen, bösen Journalisten auch die bösen, bösen Griechen an den Pranger der Selbstgerechtigkeit zu fesseln. Weil Griechen halt nun mal Griechen sind. Dass es da eine von Korruption geprägte Politikerkaste, eine von dieser über Jahre hinweg geförderte Steuerflüchtlingsmentalität und einen von eben dieser Politik unkontrollierten Verwaltungsapparat gab und gibt, scheint kaum jemand zu interessieren. Na ja, und dass da aufgrund der EU-Regulierungsmechanismen die Arbeitslosigkeit über 20 Prozent klettert, der ganz normale “gemeine” Grieche seine Wohnung nicht mehr heizen kann und die Selbstmordrate drastisch steigt? Keine Frage, auf die man eine Antwort sucht. Sind schließlich selbst schuld, diese Griechen da unten, wo wir so gerne Urlaub mach(t)en. Was wir natürlich künftig nicht mehr tun werden, wo diese bösen, bösen Griechen doch unseren Schäuble und unsere Angie mit Hakenkreuzsymbolen verunglimpfen. Obwohl wir ihnen die Milliarden in den unersättlichen Rachen stopfen.
Ach, so einfach kann Weltgeschichte sein. Bloß nicht hinterfragen, bloß nicht der Sache auf den Grund gehen. Denn wenn wir gar nicht mehr weiter wissen, haben wir ja die “Bild”. Beängstigend…
Di 24 Jan 2012
Bald hat sichs ausgethümmlert
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Jaja, ganz klar. Es gibt Wichtigeres. Nur ist es so: Es wurde in den letzten Tagen/Wochen so viel über das Wulffen und über das Verhältnis von Journaille und Politikerkaste philosophiert, dass ich mich an dieser Stelle nicht auch noch daran beteiligen muss. Sieht mein Chef, der Herr B., übrigens angesichts der Tatsache, dass alles gesagt ist, was zu sagen war, auch so. Und das finde ich – völlig honigfrei – gut.
Die Sache mit Karl Theodor, der sich noch nicht fit genug fühlt für den Wiederaufstieg in erwähnte Kaste und daher über 2013 hinaus pausieren und sich selbst finden will, geht mir offengestanden am Allerwertesten vorbei. Der gute Mann ist erstmal durch. Wenn er seine sich selbst auferlegte Resozialisierungsphase für beendet erklärt, wird man sehen. Ob es Herrn Seehofer, der Guttenberg – vor dessen Warteschleifenbekenntnis – erst in die CSU-Hölle wünschte, ehe er ihn kürzlich wieder mit verbal geöffneten Armen als für höhere Weihen geeignet befand, dann noch etwas zu sagen hat, wird sich ebenso weisen.
Ich, der gelernte Bayreuther, bin inzwischen halt nun einmal Pegnitzer. Und als Pegnitzer wie als Lokaljournalist bin ich ganz furchtbar neugierig, wer da ab Mitte Oktober unser neuer Bürgermeister sein wird. Auch ein wenig nervös, zugegeben. Hatte ich doch dereinst schon Anfang der 1990er als Volontär und damit Anfänger mit einem gewissen Herrn Thümmler zu tun. Und da war der gute Mann schon zehn Jahre im Amt. Jetzt, zwei Dekaden später, ist er es immer noch. Und würde gerne noch bleiben, wenn es Altersgrenze und bayerische Gesetzeswelt zuließen. Nun steht also die Zäsur an. Wer da auch kommt: Es wird anders sein. Ganz anders. Logisch, jeder Mensch ist einmalig. Doch Thümmler war und ist einmaliger. Wer aus einem Wortschatz von gefühlt 99 Begriffen 20-minütige Reden stricken und schwingen kann, ist ein Künstler der Eloquenz. Thümmler kann das. Weil er Emotionen ausschüttet, dass einem Hören und Sehen vergeht. Das hört man schon ab und an, wenn der “Manni” mal wieder zu nah ans Mikrofon gerät, noch zwei, drei Kilometer weiter.
Jetzt hatte sich doch glatt vor den Galaabenden der Pegnitzer Faschingsnarren nach SPD-Mann Uwe Raab noch ein zweiter Bürgermeisterkandidat gefunden. Garniert mit ein wenig Theaterdonner hinter den Kulissen der CSU-Spitze. Und einem durchaus spektakulären Rückzug. Was den Büttenrednern der Stadtgarde Glückauf wohl ein, zwei Nachtschichten beschert hat. Ein schlichter Generationenwechsel? Ein Um- und Aufbruch, wie er nach 30 Jahren Bürgermeisterhoheit mit ein und derselben Person überfällig ist? Ein stinknormaler kommunalpolitischer Vorgang, bei dem ein Bewerber gewinnt und ein anderer der Verlierer sein muss? Die Art und Weise, wie der Pegnitzer CSU-Vorstand seinen Wunschkandidaten für die Thümmler-Nachfolge gekürt hat, wirft jedenfalls viele Fragen auf, bietet aber kaum Antworten. Allein der Hinweis bei der Pressekonferenz zum Rücktritt von Manfred Vetterl, der Akt der Kandidatenfindung sei in ungewöhnlich demokratischer Form über die Bühne gegangen, lässt tief ins lokale christsoziale Wasser blicken. Auch wenn das Amt des Ortsverbandsvorsitzenden eine der wenigen wichtigen Funktionen im Städtle ist, die Manfred Thümmler nicht selbst ausübt: Der Bürgermeister hat die Partei über viele Jahre hinweg als Alleinherrscher dirigiert. Wer nicht nach seiner Pfeife tanzte, bekam es kräftig um die Ohren. Die Vasallentreue ist ungebrochen, wie Vetterl erfahren musste. Er wagte es, gegen Thümmlers Favoriten Wolfgang Hempfling anzutreten – und fiel mit Bausch und Bogen durch. Da haben ihm wohl einige die Gefolgschaft versagt, die im Vorfeld eifrig ihre Unterstützung bekundeten. Eine bittere Erfahrung. Und daher ein logischer Rücktritt.
Der rote Herr Raab und der schwarze Herr Hempfling wollen es also wissen. Der Wähler hat in jedem Fall die Qual der Wahl. Und so soll es ja auch sein. Und was machen die Freien Wähler? Die sind nach wie vor in der Sich-selbst-Findungsphase. Immerhin: In den nächsten Tagen werde, ja müsse man eine Entscheidung treffen, orakelte Hans Hümmer, FWG-Fraktionssprecher im Stadtrat, im Kurier-Gespräch. Einen Showbewerber werde man sicher nicht ins Rennen schicken. „Qualifiziert“ müsse der- oder diejenige sein. Damit er/sie auch Chancen auf den Regentensessel im Rathaus hat.
Wie wär’s mit Hümmer persönlich? Der Mann, der seit seinem 27. Lebensjahr im Stadtrat sitzt, im Kreistag gerne wider den (CSU-)Stachel löckt und eine Verfassungsklage gegen den Freistaat wegen dessen aus seiner Sicht höchst ungerechten und die kommunalen Kassen leerenden Finanzpolitik anstrebt, gibt sich ganz diplomatisch. Die Juragruppe, deren Geschäftsführer er ist, sei ein Wasserzweckverband mit besten Perspektiven. Und die Trinkwasserversorgung eine der zentralen Zukunftsaufgaben schlechthin. Da hänge sein Herzblut dran. Deshalb gehe der Trend dahin, nicht in den Ring zu steigen. Aber so gaaanz gewiss sei das noch nicht. Ein klares Dementi sieht anders aus. Für die FWG wäre er – sollte da nicht bei der auch schon angedachten überregionalen Ausschreibung des Kandidatenpostens ein A-Kategorie-Promi auftauchen – die beste Lösung. Weil Hümmer einer ist, der sagt, was er denkt. Ohne Rücksicht auf Parteistrategien. Das mögen die Leute. Nicht nur an den Stammtischen.
Das Kandidatenpuzzle füllt sich. Auch die Pegnitzer Grünen können’s jetzt nicht lassen, einen eigenen Bewerber ins Rennen um Thümmlers Nachfolge zu schicken. Und sie spulen dabei das komplette basisdemokratische Programm ab: In ihrer Nominierungsversammlung am 1. Februar wollen sich den Mitgliedern laut Vorankündigung gleich mehrere Damen und/oder Herren für den Kandidatenposten empfehlen. Also von wegen: Der Vorstand schlägt vor, das gemeine Parteivolk winkt ab. Jetzt haben wir also schon ein Trio. SPD-Recke Uwe Raab, CSU-Newcomer Wolfgang Hempfling – und einen noch unbekannten Grünling. Wenn jetzt auch noch die Freien Wähler zu Potte kommen sollten, wird daraus ein veritables Quartett. Spätestens dann verspricht es so richtig spannend zu werden, spätestens dann riecht es nach Stichwahl.
Denn nach drei Jahrzehnten Thümmler-Monopol werden die Karten völlig neu gemischt. Klar, dass Hempfling als Kämmerer der Stadt den Bonus der Fachkompetenz mitbringt. Als Bürgermeister hätte er einen entscheidenden Vorteil: Er müsste einem unbeleckt auf den Thron steigenden Rathausregenten nicht erklären, wie es der geniale Finanzjongleur Thümmler auf die Reihe gebracht hat, immer im richtigen Moment noch stolze Summen in sechs- oder bei Bedarf auch siebenstelliger Höhe aus dem Ärmel zu schütteln. So viel kann beim neuen Ganzjahresbad CabrioSol gar nicht an Minus auflaufen, als dass es nicht durch eine nicht genutzte – und auch so manchem Stadträten nach eigenem Bekunden nicht bekannte – Rücklage gedeckt würde. So sieht cleveres Haushaltsmanagement aus. Da musst du richtig gut tricksen können. So gut, dass auch die kommunalen Rechnungsprüfer den Überblick verlieren. Oder gezwungen sind, ein Auge zuzudrücken. Ein echter Neuling dürfte sich da schwer tun.
Aber vielleicht springt ja doch noch FWGler Hans Hümmer – der Mann mit dem Trend, nicht anzutreten – in die Bresche. Der ist gelernter Banker. Und lange genug im Stadtrat, um die Etatpolitik der Kommune lesen zu können. Allemal eine spannende Angelegenheit. Viel spannender als das Wulffen, finde ich…
Fr 6 Jan 2012
Nehmt halt den Guttenberg
Posted by sbrand under Allgemein
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Tja, liebe Leut’, das war’s mal wieder. Ging verdammt fix vorbei, dieses Jahr, finden Sie nicht auch? Ist halt eine schnelllebige Zeit. Gefühlt zumindest. Auch wenn sich die Uhren nicht flotter drehen als bei unseren Vorfahren. Es geht aber auch wirklich alles so schnell. Nehmen wir unseren gefallenen Politprinzen, den Herrn Guttenberg. Ganz schnell war er mal eben weg. Hat rübergemacht in die Staaten. Und jetzt war er auf einmal ganz schnell wieder da. Pirscht sich via Zwischenstopp in Brüssel an heimische Gefilde heran.
Und macht nebenbei mit locker dahingesagten Worten der Kritik am Zustand der CSU unseren verdatterten Ministerpräsidenten ebenso kirre wie seine fränkischen Parteigenossen (darf man bei einer C-Partei Genosse sagen? – Nun, warum eigentlich nicht …).
Ganz schnell hat sich in Pegnitz der erste Bürgermeisterkandidat geoutet. SPD-Mann Uwe Raab – da passt der Genosse definitiv – will nach jahrzehntelanger Schwarzherrschaft roten Wind ins Rathaus bringen. Dass er sein Begehr ausgerechnet in der Haushaltsrede bekundete und diese als Selbstdarstellungspodium nutzte, war – hm, sagen wir es vorsichtig – ungewöhnlich. Und damit auch gewöhnungsbedürftig. Weil so eine Aussprache zur finanziellen Lage einer Kommune nicht als Wahlkampfplattform taugt. Geschickt sieht anders aus.
Alle anderen trotzen dem Zeitgeist und machen auf langsam. Die FWG bastelt wohl noch an der Formulierung ihrer deutschland- oder europaweiten – oder sogar globalen? – Ausschreibung für den Kandidatenjob. Die Grünen sind verstummt. Und die christsozialen Titelverteidiger wollen in den nächsten zwei Wochen über den Mann oder die Frau ihres Ver- und Zutrauens befinden. Antischnelllebig, sozusagen. Dabei waren sie doch die ersten, die – ganz inoffiziell natürlich – mit Kämmerer Wolfgang Hempfling als Bürgermeister Thümmlers persönlichem Nachfolgefavoriten einen Bewerber in petto hatten.
Das lange Schweigen hat die Gerüchteküche – Sie erinnern sich: Ma red hald blos a weng – gewaltig zum Köcheln gebracht. Da tauchen nun in geheimnisvollen Tuscheleien auf einmal Namen auf, an die bisher kein Mensch gedacht hat. Namen von Männern – mit Frauen tut sich die CSU halt immer noch ein bisschen schwer –, die über ein tief greifendes Netzwerk in der Vereinswelt verfügen, die auch „draußen“ in den Ortsteilen auf starke Rückendeckung hoffen dürfen. Oder die als bewährte Gefolgsleute Thümmlers gelten und daher auch dessen wohl fast konkurrenzloses Netzwerk gen München und Berlin bestens kennen.
Fragt man sie – erfolgreiche Geschäftsleute –, heißt es: „Nein, ich doch nicht.“ Und einen Atemzug später: „Na ja, wenn man mich fragt …“ Aber keine Namen bitte. Es habe ja noch keiner gefragt.
Auch wenn die Funktions- und Verantwortungsträger des Ortsverbandes eisernes Schweigen zelebrieren – so viel ist dann doch durchgesickert: Es ist nicht nur Herr Hempfling, der seinen Hut in den Ring werfen will. Kleine Anregung, falls man sich nicht einigen kann: Holt halt einfach den Guttenberg. Der inzwischen ungegelte Ex-Hoffnungsträger ist doch quasi auf Bewähung im Dunstkreis politischer Aktivitäten unterwegs. Und wie könnte man sich besser bewähren als bei dem Unterfangen, 30 Jahre Thümmlersches Wirken fortzuführen. Aber vielleicht hat sich der Freiherr ja schon geistig von den Parteibanden befreit – und ist so frei, sich auf die FWG-Auslobung zu melden.
Nicht nur aus journalistischer Sicht ein höchst spannende Vorstellung…
Fr 25 Nov 2011
Pegnitzer Farbenspiele
Posted by sbrand under Allgemein
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Mann, haben es die Bayreuther gut. Die wissen jetzt schon nicht mehr, wohin mit all ihren OB-Kandidaten. Welch eine Farbenpalette tut sich da auf: christlichsozialschwarz, piratenflaggenschwarz, rot, grün, zebragestreift. Und wir Bengazer? Wir stehen – noch – mit leeren Händen da. Dafür haben wir jede Menge Gerüchte. Die natürlich keiner gestreut haben will – „Ma red hald blos a weng“.
Frühestens zum Jahreswechsel wolle man sich outen, heißt es hochoffiziell aus den Partei- und Gruppierungszentralen. Immerhin: Bürgermeister Manfred Thümmler, jener CSU-Mann, der nach satten drei Jahrzehnten altersbedingt vom Rathausthron steigen muss, hat einen Favoriten, wie er dem Kurier schon mehrfach bestätigt hat. Den Namen rückt er nicht heraus.
Schließlich müsse letztlich der Ortsverband entscheiden. Dass Kämmerer Wolfgang Hempfling des scheidenden Königs Wunschkandidat ist, wird in ganz Pegnitz und darüber hinaus kolportiert. Ganz ohne Dementi. Vieles deutet auch darauf hin. So ist der anerkannte Verwaltungsexperte seit Monaten bei nahezu jedem Termin, der irgendetwas mit kommunalen Belangen zu tun, persönlich präsent. Doch die Köche der Gerüchteküche servieren dazu ein mehrgängiges Menü. Mit ganz anderen Geschmacksrichtungen. Und ohne Troschenreuther Note. Dort ist Hempfling nämlich beheimatet. Er kommt also quasi aus dem Ausland. Und habe damit in der Kernstadt nur eingeschränkte Chancen, tuscheln Bedenkenträger nicht nur am Stammtisch. Die Suche nach Alternativen soll in streng abgeschotteten Geheimzirkeln laufen. Und da sitzen dem Vernehmen nach nicht nur CSUler am Tisch.
Alles offen demnach. Wie auch bei den Freien Wählern. Da ist die Lage klar: „Wir haben einfach noch niemand“, heißt es von jedem, den man fragt. Und es müsse ja schließlich auch gar keiner aus den eigenen Reihen. So manche FWG im Freistaat habe ihren Bewerber per flächendeckender Ausschreibung gesucht. Und gefunden. Auffällig: Hier herrscht totale Lockerheit. Ist man so siegessicher? Oder glaubt man, eh keinen Stich zu machen? Wer nachhakt, wird mit einem sanften Lächeln bedacht. Total locker eben …
Völlig bedeckt halten sich die Genossen. Vieles spricht dafür, dass Fraktionssprecher Uwe Raab einen zweiten Anlauf startet. Erreichte er vor sechs Jahren gegen Altmeister Thümmler immerhin deutlich über 30 Prozent. Auch dem Ortsvereinsvorsitzenden Oliver Winkelmaier wurden Ambitionen nachgesagt, doch er soll abgewunken haben.
Bleiben die Grünen. Da hat sich überraschenderweise mit Johannes Hofmann, Vorstandssprecher des Kreisverbandes Bayreuth-Land, selbst ein potenzieller Bewerber ins Spiel gebracht. Ein Mann von jenseits der Stadtgrenzen. Aus Ottenhof bei Plech. Die Pegnitzer Grünen wollen das nicht bestätigen, verweisen aufs nächste Jahr. Erst dann soll es konkret werden.
So oder so: Die Farbpalette wird weniger bunt als beim großen Nachbarn Bayreuth ausfallen. Denn Piraten- oder Zebraparteienakteure sind hier nicht in Sicht. Spannend bleibt es gleichwohl. Ich vermute mal, dass vor den Galaabenden der Faschingsgarde Anfang Januar keiner seinen Hut in den Wahlring wirft.
Weil er dann gleich in der Bütt verbal unter die Lupe genommen werden könnte. Und wer setzt sich schon freiwillig dieser Gefahr aus. Und vielleicht tauchen da am Ende Namen auf, an die im Moment kein Mensch denkt.
Schau mer mal. Und bis dahin red ma hald noch a weng…
Fr 18 Nov 2011
Ganz stark, Herr Starke!
Posted by sbrand under Allgemein
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Im so abwechslungs- und kontrastreichen Job eines Journalisten sind Unabhängigkeit und Objektivität hohe Güter. Kritische Töne dürfen sein, natürlich. Aber bitte dort, wo sie hingehören. In Kommentaren, in Glossen, in Online-Blogs, auch in der Rubrik Kuri(er)oses. Und, ganz klar, auf jenem Feld, in dem die Kritik zur hohen Kunst geadelt wurde – dem Feuilleton. Doch wer auf diese Weise das kulturelle Geschehen beackert, bewegt sich auf vermintem Gelände. Nirgends tummeln sich mehr all- und besserwissende Mimosen. Ein dickes Fell schützt da nicht nur zur Winterszeit.
Wehe, du wagst den dezenten Hinweis, dass sich lokale Kulturschaffende ein wenig zu viel zugemutet haben. Dass ein Bach- oder Händel-Oratorium eine Nummer zu groß war. Dass man einen Horvath oder Kleist, einen Dürrenmatt oder Büchner erst dann zu Bühne bringen sollte, wenn man weiß, um was es dem Autor eigentlich geht, wenn man ein wenig in der Rezeptionsgeschichte geblättert hat. Der Aufschrei ist in der Regel groß.
Und die Reaktion weitaus polemischer als der Stein des Anstoßes, die in der Zeitung publizierte Kritik. Nun, im lauschigen Pegnitz ist die Welt auch auf diesem Gebiet noch ein bisschen heiler als andernorts. Was auch daran liegt, dass sich hier eine Kulturszene entwickelt hat, die für ein Städtchen dieser Größenordnung außergewöhnlich ist. Vom Kulturpreisträger bis zum Laientheater, von der Jugendbergmannskapelle bis zum KSB-Werksorchester, von Mundartdichter Walter Tausendpfund bis zum Ensemble Schall und Rauch, von der Kantorei bis zu den Chören der katholischen Kirchengemeinde.
Ja, ich weiß, ich habe bestimmt jemand vergessen … Ach, zum Beispiel das Kulturamt im Rathaus, das in den letzten Jahren viele auswärtige Künstler der ersten Kategorie in die Stadt lockte. Was aller Ehren wert ist. Und manchmal deutlich mehr Resonanz verdient hätte. Denn da sind wir ab und an durchaus auf Großstadtniveau unterwegs.
Tja, dieser heilen Welt zum Trotz hatte sich eine Kurier-Rezensentin in dieser Woche doch tatsächlich getraut, im Pegnitzer Lokalteil des Kuriers eine konzertante Darbietung des Chores Lingua musica nicht rosarot zu verklären, sondern Tacheles zu schreiben. Sie tat das, was eine Kritik ausmacht: Sie äußerte ihre Meinung. Abseits aller Hofberichterstattung. Subjektiv. Wie das eine Meinung nun mal so in sich birgt. Aber – sie ist schließlich eine Frau vom Fach und kennt sich aus – nicht einfach pauschal abwertend, sondern mit Argumenten untermauert. Mit stichhaltigen Argumenten.
Was ihr gar nicht so leichtfiel, denn sie kennt Lingua musica gut. Hat die Sangestruppe um Leiter Michael Starke schon des Öfteren begutachtet, bestaunt – und beurteilt. Und dies höchst positiv. Und zurecht. Denn Lingua musica hat sich über die Jahre hinweg zu einer sehr beachtlichen Qualität emporgearbeitet und -gesungen.
Diesmal steuerte der experimentierfreudige Kapitän Starke sein stattliches Schiff jedoch in die Untiefen englischer Chormusik à la Britten und Händel. Und betrat dabei auch Solistenneuland. Was aus dem Dirigenten und musikalischen Regisseur einen Multifunktionskünstler machte. Aus Sicht der Kritikerin ein nicht unbedingt geglücktes Unterfangen. Und das hat sie dann auch so in Worte gefasst.
Der Gegenstoß ließ nicht lange auf sich warten. Doch fiel er wesentlich milder aus als in solchen Fällen üblich. Gerade einmal drei Konzertbesucher machten ihrer Empörung Luft. Logisch, dass sie betonten, sich im Namen vieler zu äußern. Das gehört zum guten Ton einer Kritikerkritik.
Doch wie ging eigentlich der in den Kurier-Fokus geratene Hauptdarsteller mit der Sache um? Überaus souverän. Starke schlief zwei Nächte über den „Vorfall“, meldete sich dann in der Redaktion. Ganz gelassen, ohne Schaum vor dem Mund. Was folgte, war ein konstruktiver, völlig unaufgeregter Austausch von Informationen, Sichtweisen, Lesarten. Auch mit der Kritikerin.
Wobei Starke unumwunden zugab, dass wahrlich nicht alles glatt lief bei diesem Projekt. Am Abend des Geschehens nicht – und schon gar nicht bei der Vorbereitung. Noch bei der Probe in der Vorwoche hätte er jedes Wort der Kritik unterschrieben, gestand Starke zu. Der Mann zeigte Größe. So mit Kritik umzugehen, ist vorbildhaft. Und zur Nachahmung empfohlen. Chapeau, Herr Starke. Ganz stark. Na ja, und beim nächsten Experiment geht bestimmt alles gut. Das wünsche ich Ihnen jedenfalls von Herzen.
Fr 21 Okt 2011
Nein, ich will nicht in die Zeitung. Nein, ich will nicht…
Posted by sbrand under Allgemein
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Kennen Sie das? Da meint man es so richtig gut mit seinen Mitmenschen - aber die wollen das gar nicht. Aktuelles Beispiel gefällig? Aber gerne doch. Also, das war so. Der Kurier brachte heute (= Freitag, 21. Oktober 2011) eine Sonderbeilage über die Fränkische Schweiz heraus. Wissen Sie? Gut. Haben Sie darin eine Geschichte über die Drehleiter der Feuerwehr in Waischenfeld gelesen? Nein, haben Sie nicht? Tja, an uns lag das nun wirklich nicht.
Dabei war eigentlich alles ganz einfach. Waischenfeld muss in die Beilage mit hinein, war sich die Redaktion einig.Weil dort die Feuerwehr dieses Jahr dieses tolle Teil bekommen, diese Drehleiter eben. Super Geschichte. Mitarbeiter beauftragt. Fertig. Normalerweise. Am Mittwoch vorletzter Woche begann dann jedoch das Dilemma: Keiner zu erreichen. Eine tagelange Odyssee, jeder verweist auf den anderen. Der inzwischen am Rande eines Nervenzusammenbruchs angelangte Kollege teilte per Mail mit: „Noch gerade eben habe ich noch einmal, heute etwa zum zehnten Mal, versucht den Waischenfelder Feuerwehrkommandanten zu erreichen. Erneut erfolglos, da sowohl bei der Privatnummer als auch beim Handy der Anrufbeantworter erneut dran ist, auf den ich auch schon zigfach gesprochen habe.“ Sein Schreibfluss nimmt kein Ende: „Wie Sie wissen, hatte ich heute Nachmittag den Vorsitzenden der Feuerwehr endlich erreicht und mit ihm vereinbart, dass er mich anruft. Da er dies nicht tat, rief ich ihn gegen 18.15 Uhr erneut an, da er versprochen hatte, meine Fragen bezüglich der Drehleiter zu beantworten. Der Vorsitzende teilte mir jedoch mit, dass ihm der Kommandant inzwischen untersagt habe, die Fragen zu beantworten, da er der Chef der Feuerwehr sei. Ich solle mich also an diesen wenden. Dies tat ich umgehend und rief seine Privatnummer erneut an, unter der sich diesmal seine Frau meldete und mir mitteilte, dass ihr Mann noch immer nicht zu Hause sei. Ich könnte ja gerne später noch mal anrufen. Was ich nun auch tat, jedoch wieder ohne Erfolg.“
Nein, das ist nicht das Finale der possierlichen Geschichte. Jetzt geht’s erst richtig los: „Montagnachmittag hatte ich dann Bürgermeister Edmund Pirkelmann (der Stadt und nicht der Feuerwehr gehört schließlich die Drehleiter) angerufen, mit dem ich vereinbarte, dass ich seinen Bauhofmitarbeiter anrufen solle, der die Drehleiter fahren könne. Ich rief bei ihm auf dem Handy an. Er erklärte mir zunächst, dass er keine Zeit habe, da er am Friedhof arbeitet. Ich erklärte ihm, dass sein Chef, also der Bürgermeister, mir seine Handynummer gegeben habe und er die Drehleiter für ein Bild vor das Gerätehaus fahren solle. Er erklärte mir, dass er da erst im Rathaus Rücksprache halten müsse. Daraufhin rief er zurück und ich konnte mit ihm endlich einen Fototermin für den nächsten Morgen, 7.30 Uhr,vereinbaren. Im Laufe des Nachmittags rief jedoch jemand von der Feuerwehr bei meiner Tochter an und erklärte, dass der Fototermin am Dienstagfrüh hinfällig sei. Ich könne die Drehleiter am Donnerstag fotografieren, richtete mir meine Tochter aus. Daraufhin rief ich umgehend bei dem Mitarbeiter an, der mir erklärte, dass sein Kommandant ihm untersagt habe, die Drehleiter morgen früh für das Foto rauszufahren. Ich könne die Drehleiter fotografieren, wenn sie im Einsatz ist. Ich erklärte ihm wiederholt, dass dies zu spät sei, da es für die Fränkische-Schweiz-Beilage wäre, die bereits am Freitag erscheint und der Bericht dafür spätestens Mittwochmittag abgegeben sein müsse.“
Die Antwort? Man hätte ja schon genug Gelegenheit für ein Foto gehabt. Unser Mitarbeiter weiter: „Ich erklärte ihm, dass ich diesen Auftrag erst kurzfristig bekommen habe und daher auch nicht ahnen konnte, dass ich ein Bild von der Drehleiter bräuchte. Es war aber nichts zu machen. Daraufhin rief ich erneut
Bürgermeister Pirkelmann auf dem Handy an, der dann plötzlich meinte, dass die Feuerwehr offenbar sauer auf mich sei, da ich sie einmal bei einer Leistungsprüfung versetzt hätte.“ Versetzt? Das war dem Mitarbeiter neu. Zudem gab es von der Feuerwehrführung diesbezüglich bisher keinerlei Beschwerden.
Vielmehr war es in der Vergangenheit schon so, dass die Feuerwehr Waischenfeld eine Leistungsprüfung hielt, jedoch vergaß, die Presse dazu einzuladen. Das war vor etwa einem Jahr der Fall. Damals räumte die Feuerwehrführung ein, weder ihm noch der Redaktion Bescheid gegeben zu haben.
Nach eigener Aussage hatte unser freier Mitarbeiter nun ein paar graue Haare mehr – und gab auf: „Nach einer langen Drehleiter-Odyssee habe ich jedenfalls mein Möglichstes versucht, um die kleine Geschichte zu bekommen, was ja etwas Positives für die Feuerwehr Waischenfeld gewesen wäre.“
Nun ja, die Beilage war nun um eine Geschichte ärmer, dafür dieser Blog um ein Kuri(er)oses reicher. Man muss halt immer positiv denken…
Fr 14 Okt 2011
Tja, die Leute müssten halt mehr Zeitung lesen. Haben wir nicht oft genug über die unvergleichlichen Vorzüge des neuen Pegnitzer Ganzjahresbades berichtet? Nein, nicht als PR-Abteilung des Rathauses, auch wenn man das dort manchmal gerne hätte. Vielmehr kritisch, ja sehr kritisch (dadurch hat der Kurier übrigens auch den Zehn-Meter-Turm gerettet). Nicht selten auch ungläubig, wenn Bürgermeister Manfred Thümmler mal wieder die prächtigen Zukunftsperspektiven des in seinen Grundzügen von ihm selbst entworfenen CabrioSol – für alle, die es noch nicht wissen sollten, weil sie keine Zeitung konsumieren: So heißt das Teil - gepriesen hat. Jetzt, ein glattes Jahr nach der Eröffnung des Badetempels, zogen Thümmler und die – natürlich aus der Verwaltung stammenden, weil sonst nicht bezahlbaren – Führungskräfte des Kommunalunternehmens Freizeitpark Bilanz.
Diese fällt auf den ersten Blick durchaus ernüchternd aus. 180000 Gäste hatte man kalkuliert, 152000 kamen. Klar, der Regensommer hat da kräftig reingeschlagen. Aber wohl auch die Leseunlust potenzieller Bade- und Saunagäste. Wie könnte es sonst sein, dass Ganzjahresbadverwaltungschefin Corinna Förster von Muttis berichtet, die beim geringsten Anschein eines drohenden Regengusses im Foyer des Superbades ruhelos ihrer Sprösslinge weit vor der vereinbarten Abholzeit harren? Weil sie Angst haben, dass die lieben Kleinen völlig durchnässt reif fürs Krankenbett sind? Wo doch, wie der Name schon sagt, dieses Bad aller Bäder ein Ganzjahresbad ist. Was bedeutet, dass man es bei jedem Wetter nutzen kann. Da man eben, wenn dunkle Wolken aufziehen, vom Freien ins Bedachte wechselt. Ganz einfach. Oder?
Wohl doch nicht, wie der Herr Bürgermeister in seiner Jahresbilanz bekundete. Weil da Zeitgenossen existieren, die partout nicht wahrhaben wollen, dass dieses Bad nicht zum Hallenbad mutiert, wenn die stinknormalen Standardfreibäder dicht machen. Wie gesagt: Das stand alles in der Zeitung.
Er hat schon Recht, der Mann, dem böse Widersacher attestieren, er habe hier ein Thümmler-Gedächtnisbad-Denkmal aus dem Boden gestampft. Am Marketing muss noch gewaltig gebastelt werden. Wobei die Frage erlaubt sein muss, warum die Werbetrommel erst jetzt schneller gerührt wird. Wirft man die Wir-sind-die-Größten-und-Besten- und Günstigsten-Maschinerie in der Regel nicht schon vor dem Tag x an? Klar, gegen den Anti-Sommer 2011 hätte das auch nichts bewirkt. Aber vielleicht wäre so manchem Unwissenden bewusst geworden, was der Begriff Ganzjahresbad eigentlich bedeutet.
Nun, Hauptsache, man ist lernfähig. Jetzt gehen Thümmler & Co. – ganz ohne Schwimmflügel – jedenfalls total optimistisch in die zweite CabrioSol-Saison. Denn so einen Katastrophensommer gibt es so schnell nicht wieder. Und dann greift ja auch das Marketing noch effektiver. Und die Mundpropaganda. Und dann werden einheimische Firmen auch endgültig sämtliche von den am Bau beteiligten und zu einem nicht unerheblichen Teil längst pleite gegangenen Unternehmen verursachten Kinderkrankheiten ausgemerzt haben.
Weil das ohne den gesetzlich vorgeschriebenen Ausschreibungswahnsinn – billig muss es halt sein – organisierbar ist. Und überhaupt wird alles besser. Weil es besser werden muss. Basta. Jaja, auch Thümmler kann schrödern…
Wenn wir schon mal wieder in Pegnitz sind, noch eine Randnotiz. Das mit den Abholterminen für die schwarzen, braunen oder blauen Abfallentsorgungsbehälter – Sie erinnern sich an den letzten Blog-Beitrag? – hat so mancher in diesem Städtle immer noch nicht gefressen. Hm, dürfte sich wohl um Leute handeln, die sich weder Zeitung noch Blogs reinziehen. Nein, ich nenne jetzt keine Straßennamen. Fakt ist: Da standen die Tonnen letzte Woche mal wieder vier Tage lang am Straßenrand. Ab jenem Wochentag, an dem sie dereinst an der Reihe waren. Sinn-, aber nicht müllentleert.
Aber was soll’s. Es gibt Wichtigeres. Außerdem: Wenn die Macher im tollsten – und billigsten, wie sie betonen – Bad weit und breit lernfähig sind, warum sollte es dann nicht der gemeine Pegnitzer sein? Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt…
Fr 30 Sep 2011
Alles nur ein Missverständnis
Posted by sbrand under Allgemein
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Was haben ein Mann von Adel, der Papst und Pegnitzer Mülleimerbesitzer gemeinsam? Ganz einfach: Sie leiden unter Missverständnissen. Bei Herrn von und zu Guttenbergs Doktorarbeit alias Plagiatspotpourri haben alle Kritiker irgendwie alles missverstanden. Jetzt wird „KT“ Strategievordenker in Übersee. Das haben wir davon.
Benedikt XVI. klärte bei seinem Deutschlandbesuch jene Ökumeneeuphoriker, die von ihm ein Signal für ein rasches Überwinden konfessioneller Grenzen erwarteten, mit aller Gelassenheit auf: Es kann nicht so ohne weiteres zusammenwachsen, was nicht so recht zusammengehört. Ein politisches Missverständnis sei da im Spiel gewesen, habe die unerfüllte Vorfreude ausgelöst. Aha. Die Politiker sind eben doch an allem schuld. Zugegeben: Der Sprung zur Abfallbehälterlage im trauten Pegnitz ist schon ein wenig brutal. Aber wenn’s doch auch hier ein Missverständnis nach dem anderen gibt. Da hat nämlich das böse, böse Landratsamt zur Jahresmitte die Abfuhrtage komplett neu aufgelegt. Und was so ein traditionsbewusster Einheimischer ist, der will das einfach nicht wahrhaben.
Nicht, dass die Behörde es an umfassender Information für diesen revolutionären Schritt hätte fehlen lassen. Unübersehbare Flyer machten die Runde. In der Zeitung stand’s. Und wer sich auf gedrucktes Papier nicht verlassen will, kann sich im Internet vergewissern, wann er an der Reihe ist. Hat alles nichts geholfen. Nach wie vor zieren die Tonnen – ob Restmüll, Bio oder Altpapier – im ganzen Stadtgebiet oft genug ein bis drei Tage vor dem eigentlichen Geschehen ganze Straßenzüge. Natürlich in Reih und Glied. Schließlich gehört auch Franken zu Deutschland. Wenn auch nur zwangsweise zu Bayern.
Besonders putzig wird es, wenn unter der Woche ein Feiertag die eh schon aus dem Gleichgewicht geratene Entsorgungsordnung stört. Dann blickt kaum noch einer zentral. Nicht zu vergessen der Herdentrieb, den der Mensch auch im 21. Jahrhundert nicht los wird: Sobald einer sein Müllgefäß auf dem Gehsteig platziert hat, folgt ihm in gruppendynamischer Harmonie Nachbar für Nachbar. Nun, manche Lernprozesse brauchen eben einfach ihre Zeit …
Was kein Missverständnis ist: Die Kapitäne der hypermodernen Seitenladerfahrzeuge haben nach wie vor alle Hände voll zu tun, die geleerten Tonnen so abzusetzen, wie sie sie vorgefunden haben – stehend nämlich. Aber vielleicht klappt ja auch das irgendwann…